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Von: Mag. Claudia Pfurtscheller

Tiroler sein ist nicht schwer, es zu werden umso mehr

Haftung des Hotelgastes bei Verletzung des Kellners mit Säbel


Der Weg zum „Tiroler“ ist mit vielen Steinen gepflastert und birgt so manch unerwartetes Risiko.

In einem Tiroler Hotel ist es Tradition, Gäste auf schnellem Wege zum „Tiroler“ zu ernennen, wenn sie unter Anleitung eine Champagnerflasche spektakulär mit einem Säbel öffnen.

Bei diesem Vorgang, der in Fachkreisen als „Sabrieren“ bezeichnet wird, wird der Champagnersäbel mit der Schneide am Bauch der Flasche in Fingerbreite über dem Etikett angesetzt. Unter einem Winkel von ca. 20 Grad wird der Säbel in einer fließenden Bewegung auf den Flaschenhals zubewegt und schlägt von unten gegen den Wulst des Flaschenkopfes, möglichst an der Stelle, wo die Längsnaht in den Querwulst übergeht. Dabei wird der Kopf der Champagnerflasche mit dem Wulst und dem Korken abgeschlagen.

Bei diesem Vorgang können Glassplitter entstehen, welche durch den Druck des austretenden Champagners weggeschleudert werden. Um den teuren Champagner nicht zu vergeuden, steht ein Kellner bereit, welcher während des Öffnens ein Glas unter die Champagnerflasche halten muss.

Wer haftet nun aber für eine bei diesem Vorgang durch den Säbel bzw. Glassplitter hervorgerufene Verletzung des Kellners?

Mit dieser Frage hatte sich in erster Instanz das Bezirksgericht Silz zu 3 C 7/14d zu beschäftigen. Das Bezirksgericht hat die Klage des Kellners gänzlich abgewiesen, da seiner Ansicht nach keine rechtswidrige und schuldhafte Handlungsweise des Hotelgastes vorgelegen habe.

Der Kellner des Tiroler Hotels hat, vertreten durch Tramposch & Partner, diese Entscheidung bekämpft.

Der Oberste Gerichtshof konnte die Haftung des beklagten Hotelgastes zu 50 % bestätigen (OGH, 27. 4. 2016, 7 Ob 59/16a).

Der Oberste Gerichtshof entschied, dass ausgehend von dem im österreichischen Schadenersatzrecht geltenden Ingerenzprinzip derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft, die notwendigen und ihm zumutbaren Vorkehrungen zu treffen hat, um eine Schädigung anderer abzuwenden. Die Verursachung einer Gefahrensituation rechtfertigt die Auferlegung verstärkter Sorgfaltspflichten. Dem beklagten Hotelgast hätte daher klar sein müssen, dass sich der unmittelbar vor ihm kniende Kellner aufgrund der zu erwartenden Glassplitter beim Abschlagen des Flaschenkopfes in einer gefährlichen Situation befand. Dem Gast wäre zumutbar gewesen, die Handlung nicht im Nahbereich des Kellners vorzunehmen oder ihn zu ersuchen, diesen Bereich zu verlassen.

Dem Kläger sei jedoch – ungeachtet der ihm erteilten Anweisung – ebenfalls eine Sorglosigkeit gegenüber seiner Gesundheit vorzuwerfen und für ihn die Verletzungsgefahr ebenso wie für den Beklagten erkennbar gewesen. Bei Abwägung des beiderseitigen Fehlverhaltens sei laut dem Obersten Gerichtshof eine Verschuldensteilung im Verhältnis von 1:1 angemessen. Der Kellner erhält daher 50 % seines Schadens ersetzt.

Als gerichtsnotorisch darf bekannt vorausgesetzt werden: „Bisch a Tiroler, bisch a Mensch“.